Historie

Die erste urkundliche Erwähnung Belles stammt aus dem Jahre 1118. Sicher ist aber, dass der Ursprung unsere Dorfes viel weiter zurückliegt.

Der Name Belle ist wahrscheinlich aus dem Grundwort „ithi“ (das ist altsächsisch und bedeutet Ort oder Stätte in Heide- oder Waldgegend) entstanden mit dem Bestimmungswort eine Personennamens, vielleicht aus Bello (Verkleinerungsform von Balduin oder Baldo).

Die Entstehung des Namens Belle aus dem Ortsnamen mit der Endung „ithi“ deutet darauf hin, dass unser Dorf schon in altsächsischer Zeit (vor 800 n. Chr.) gegründet worden ist.

Noch zwei weitere Tatsachen weisen auf eine frühere Ansiedlung hin:

  1. Belle gehörte zu den urgemeinden Lippes, die eine Mark und Gemeinheit besaßen und dadurch zu den Gründungen aus sächsischer Zeit zählen.
  2. Die Flurnamen auf „Feld“ und „Brede“ weisen auf alte Ackerflächen hin. In Belle sind es: Kresenbreede, Allerbreite, Steinbreite, Im Bellschen Feld, Auf der Breite

Unter den frühmittelalterlichen Siedlungen dürfen wir uns allerdings kein Dorf im heutigen Sinne vorstellen. Es waren meist nur wenige Gehöfte, die fast immer in der Nähe eines Wasserlaufes errichtet wurden. In Belle ist dieser Siedlungkern, aus dem im Laufe der Jahrhunderte unser Dorf entstand, am Niederbeller Bach zu suchen.

Im Jahr 1118 gab es auch schon den Kützehof (Meier zu Küddesen), der vermutlich als Meierdorf in fränkischer Zeit entstanden ist. Außerdem lag eine Siedlung „Hardinctorp“ westlich des heutigen Lakehofes. Dieses Hardinctorp wird bereits 1036 urkundlich genannt, muß aber 1300 wieder eingegangen sein.

Der eigentliche Siedlungskern des Dorfes Belle liegt in Niederbelle. Hier standen auch die Gehöfte, die in der Urkunde von 1118 erwähnt werden.

In einem Schenkungsvertrag aus dem Jahre 1118 beurkundet Bischof Heinrich von Paderborn,

dass ein Freier namens Eiliko und dessen Frau Biwa, gleichfalls freien Standens dem Kloster St. Petri und Pauli zu Paderborn (Abdinghof) sich selbst und 5 Hufen Land in dem Dorf ‚Bellethe‘ mit Leibeigenen und 4 Höfen und einer Mühle in der Grafschaft des Herzogs Liudger (Lothar von Sachen) mit dessen Genehmigung zum Eigentum gegeben, indem der Vogt der Kirche Graf Friedrich die Schenkung entgegengenommen und mit königlichem Banne bei Balhorn (Gerichtsstätte westlich von Paderborn) bestätigt habe.

Der Abt des Klosters sichert den beiden Schenkern dafür ihre tägliche Kost zu, bestehend aus zwei Broten, einem von Roggen  und einem weißen, zwei Maß Bier an drei Tagen der Woche (Sonntag, Dienstag, Donnerstag), zwei Fleischmahlzeiten nebst einer Schüssel Kohl und Hülsenfrüchte, am Montag, Mittwoch und Sonmabend einen ganzen Käse, Freitags zwei Gerichte, wie sie dann zu essen erlaubt seien. Ferner an Allerheiligen drei Schilling schwerer Münze zur Kleidung, 13 Karren Holz im Jahre, Weihnachten 8 Denare oder ein Schwein zum gleich Preise.

Dafür soll, wenn der Mann zuerst stirbt, die Frau das „Heergewedde“ (Nachlass des Mannes), im anderen Falle der Mann die „Giratha“ (Nachlass der Frau) herrausgeben, nach beider Tode aber alles dem Kloster anheimfallen.

So lautet der Inhalt der in lateinischer Sprache verfassten Urkunde von 1118. Im Jahre 1142 waren die Schenker wahrscheinlich verstorben. In diesem Jahre erhob ein gewisser Hildemann nach Erbschaftsrecht Ansprüche auf jenes Gut. Hildemann gab diese Ansprüche jedoch auf, nachdem Volkwin von Schwalenberg, der Vogt des Klosters, die Ansprüche des Klosters Abdinghof eidlich bestätigt hatte.

Im Jahre 1148 gaben sich weiter vier Beller Freie dem kloster Abdinghof zu eigen. Nach der Urkunde von 1118 waren damals bereits fünf Höfe und eine Mühle in Abdinghofer Lehen übergegangen.

Somit kann man für die Zeit um 1100 etwa 9 Gehöfte annehmen, die sich auf dem Gebiet befanden, das zwischen dem heutigen Höfen Köllermeier, Möller und Möllenbrock lag. Ein Teil dieser Höfe blieb bis in die Neuzeit Paderborner Lehen.

Bei den mittelalterlichen Urkunde, in denen der Name Belle vorkommt, handelt es sich ausschließlich um Schriftstücke, in denen die Belehnung oder Verpfändung von Höfen beurkundet wird. Hier in zeitlicher Reihenfolge die wichtigsten:

  • 1118: Schenkung von fünf Gehöften in Bellethe an das Kloster Paderborn (Abdinghof)
  • 1148: Weitere vier Höfe in Bellethe geben sich dem Kloster Paderborn zu eigen.
  • 1227: Die Grafen von Schwalenberg erhalten ihre Paderborner Lehen zurück.
  • 1368: Edelherr Simon III. verpfändet den Niedernhof in Belle an Simon de Wend
  • 1411: Die Urkunde vom 8. Mai 1411 ist besonder interessant, da sie in mittelniederdeutscher Sprache abgefasst wurde, die damals allgemein gebräuchlich war. Daher soll der Text hier ausführlicher wiedergegeben werden:

    Als men schrifft na Godes Gebot veerteinhundert jar darna in deme elften jare des andern Sondages in der Vasten do sat de Edele, mit leve gnedige Junkher Bernd, Here tor Lippe eyn Leynrecht to dem Blomberge under der Lynden. Do entfengen de hir na ghesreven staed van em er Gud, dat se van der Herrscap tor Lippe to Leyne hebbet.

    In dieser Urkunde wird Belle zweimal erwähnt: Gottschalk von Fresenhusen erhält „vier Hoffen zu Belde“, Henke Ottingh, Zimmermann zu Belde, den Molenbrock zu Belde „to synem live“ (auf Lebenszeit).

  • 1467: Bernhard zur Lippe belehnt Otto von Holthusen mit dem Meierhofe zu Belle.
  • 1472 sind die von Donop ertmalig im Besitz eines Zehnten in Belle nachweisbar.
  • 1489 Graf Erich von Schaumburg belehnt den Wichmann von Freßmerßen mit Hoven (Hufen) zu Küddesen, zwischen Belle und Hundeslo gelegen.
  • 1495 Nach dem Aussterben der von Holthusen werden die von der Borch erstmalig mit dem Meierhof zu Belle belehnt.

Der ältste der Niederbeller Höfe wird der Kauphof (Köllermeier) sein, der um 1200 entstanden sein mag, gleichzeitig mit dem Gut Niederbelle und jenem Hof, aus dem um 1300 der Obere und Nierdere Hof entstanden sind. um 1450 sind dann aus dem Oberhofe die Höfe Luchte und Heer hervorgegangen.

Das gesamte Gebiet von Oberbelle (zwischen der Schulstraße und dem Westrand des Dorfes) gehörte ursprünglich zu Tölle, der als der älteste Hof von Oberbelle anzusehen ist. Schon im späten Mittelalter gingen aus Tölles Besitz durch Abtrennung zahlreiche neue Höfe hervor, z.B. Kaiser, Jürgens, Mönch, Mense, Sigges, Gerke, Heer, Lange, Petig, Rubart, Brunsmeier, Röther, Benker.

Die Besiedlung Oberbelles, die mit der Ansiedlung Tölles begann, vollzog sich vor allem im 13.-15. Jahrhundert. Um 1500 ware  praktisch alle Höfe vorhanden, die auch bis in die heutige Zeit bekannt sind.

In der Siedlungsgeschichte Belles spielt das bereits erwähnte Hardinctorp (später auch Herrentrup genannt) ebenfalls eine Rolle. Dieses Dorf  hatte große Gemarkung. Sie verlief im Osten längs des Dörensiekes, im Süden an der Straße Wöbbel – Belle entlang bis zum Bollenbrock, von da nach Norden zwischen Kützenhof und Lakehof hindurch bis Töllenfeld und an die Nordseite des Molkenberges. (Früher wurde er Markenberg genannt, da er in der Hardinctorper Mark lag, die in alten Karten auch als „Herrentruper Mark“ bezeichnet wird.)

Wie breits erwähnt, ging das Dorf Hardinctorp bereits um 1300 wieder ein. Später wurden die Markjunker v. Donop, v. Mengersen und v. Friesenhausen mit der Mark belehnt. Die Bauern, denen die Markjunker die Ländereien zu Bewirtschaftung überlassen hatten, wurden Markmeier oder Markbauer genannt.

Es ist in den Akten v. Donops ein Verzeichnis dieser Bauern aus dem Jahre 1550 überliefert. Darin heißt es u.a.:

Anno 1550 sind Ehrenveste Junker, die Gebrüder Antonius und Christoph von Donop, die Gevettern Gosmann und Johann von Friesenhausen und Tilo von Mengersen samt ihren Markmeiern beisammen gewesen und dabei haben die Markbauern nach der Zahl der Morgen die Schulden (Pacht) zu geben zugesagt…

Die älteste noch erhaltene Hausinschrift über dem Dehlentor auf dem Naberhof.

Das Verzeichnis führt dann die Namen der Bauern und die Morgenzahl auf. Von den 432 1/2 Morgen Acker der früheren Hardinctorper Mark fielen 325 Morgen an Markbauern aus Belle. Der Rest fiel an Tintrup, Maspe und Reelkirchen.

Eine Übersicht über die Einwohner Belles geben die Schatzregister. Das sind Erhebungslisten für Sondersteuern, die seit dem 15. Jahrhundert bei besonderen Anlässen im Auftrage der Landesherrschaft eingezogen wurden, wenn due Staatskasse zusätzliches Geld brauchte.

Die Namen in der alten Liste sind zum großen Teil schwer zu bestimmen. Nur einige davon sind leicht zu deuten, z.B.:

Kop = Kaupsmeier (Köllermeier)
Mollenbroke = Möllenbrock
Schonink = Schöning
Sroder = Schröder
Brendeker = Brenker

Viele Hofnamen standen in den alten Listen unter ganz anderem Namen, als wir sie heute kennen.

 

 

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